Abschied nehmen: auf Wiedersehen!

Mittwoch, 18.12.2013

So, liebe Freunde, meine Reise nähert sich dem Ende. Heute war mein letzter (ganzer) Tag. Ich habe mich einfach nochmal in eines der ‚öffentlichen‘ Boote gesetzt und bin flussaufwärts gefahren. Während der Mob auf Höhe des Großen Palastes ausgestiegen ist, bin ich bis zur letzten Station, Nonthaburi, gefahren. Der Ort war sehr nett und besteht zu einem Großteil aus Markt, ist ja klar. Sowieso scheint sich hier das halbe Leben irgendwie auf dem Markt abzuspielen. Da gab es auch wieder alles: Gemüse, Fleisch, Fisch, Klamotten, Backwaren, Elektronik,… fallen Kröten unter Fleisch? Derbe ist halt, dass viele Tiere noch (halb) am Leben sind: ein Fisch, der mit letzter Kraft versucht, der Einkaufstüte oder auch dem Beil zu entkommen, Krebse, die trotz Scheren ihre Fesseln nicht aufbekommen und ja, Riesenkröten, die mit aufplatzten Bäuchen auf dem Tisch liegen und dabei immer noch röcheln. Für die einen perverse Tierquälerei, für die anderen ein Frischesiegel. So ist das eben. Gefallen hat mir der Markt trotzdem, auch weil klar war: der ist nicht für die Touristen gemacht.

Ich denke, ich kann behaupten, dass ich eine echt gute Zeit in Asien hatte. Klar, es gab gute wie schlechte Momente, aber letztlich sind alle Erlebnisse und Erfahrungen bereichernd und wertvoll. Menschlich hat mir besonders Malaysia gefallen, aber auch Hongkong/Macao und die ländlichen Gebiete Thailands. In den Touristenhochburgen war ich diesbezüglich etwas enttäuscht. Die Leute sehen nur das schnelle Geld, denken aber nicht langfristig genug. Stichworte Kundenbindung und Mund-zu-Mund-Propaganda; ein zufriedener Kunde/Gast, sagt es 3 Leuten weiter, ein unzufriedener hingegen 9. Tatsächlich bleibt mir unerklärlich, wie besonders Bangkok Jahr für Jahr ~40 Mio. Besucher aufweisen kann. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie viele davon auf Durchreise sind, meiner Meinung aber ist das nicht gerechtfertigt. Landschaftlich habe ich ebenso wunderschöne Ecken gesehen, egal ob Strände, Urwald, Wasserfälle oder Berge. Aber auch als Freund von Städtereisen bin ich in Südostasien auf meine Kosten gekommen. Mit Kuala Lumpur, Singapur, Bangkok, Hong Kong und Macau habe ich nur eine kleine, aber beeindruckende Auswahl gesehen. Alternativen wären gewesen: Peking, Shanghai, Manila, Phnom Penh, Ho Chi Minh, Seoul, Tokio usw.

Am Ende sind es aber häufig die kleinen Erlebnisse, die eine Stadt, ein Land oder einen Urlaub in guter oder schlechter Erinnerung behalten lassen: einerseits ein nettes Gespräch mit Einheimischen, ein schöner Ausflug, ein pünktlicher Zug, ein netter Platz im Park, eine gute Idee, andererseits eine Abzocke, ein schlechtes Essen, ein unfreundliches Personal oder auch scheiß Wetter. Ich bin derzeit mit drei anderen Leuten auf einem Zimmer, die auch auf ihre Rück- bzw. Weiterflüge warten und so enttäuscht von Thailand sind, dass sie zwei Wochen lang fast nur im Hostel rumhängen. Eine Lebensmittelvergiftung hat zweien von ihnen auch Malaysia versaut. Das ist natürlich ärgerlich, aber mein Gott, dann muss man sich halt wieder aufrappeln und wie gesagt, mal den ‚Mainstream‘ verlassen.

Ich freue mich jetzt erst einmal auf zu Hause und darauf, möglichst viele von Euch schon bald wieder zu sehen. Wie vorausgesagt, sind die 3 ½ Monate für mich echt ausreichend gewesen. Wenn man zu lange reist, besteht glaube ich die Gefahr, dass man das ständige Leben on the road, im Hostel und aus dem Rucksack, die endlosen Wege, Strapazen mit Visa usw. irgendwann satt hat, ganz abgesehen von den Mitreisenden, sofern man welche hat. Dennoch bleibt Südostasien für mich weiter reisenswert und früher oder später werde ich hierher zurück kommen.

Danksagung am Ende: ich danke Euch, Mama und Papa, für die Unterstützung und auch dem Rest meiner Familie, Liis für die Geduld, auch wenn ich mal ein paar Tage nicht erreichbar war, selbst der Hochschule Hof, allen anderen für Reisetipps und das Interesse am geschriebenen Wort und nicht nur an den Bildern auf Facebook.

Bangkok & Umgebung: zurück im echten Leben und ein versöhnliches Wiedersehen

Dienstag, 17.12.2013

Am Ende hatte ich also nun noch eine gute Woche in Bangkok. Eigentlich nicht so geil geplant, wenn man bedenkt, dass mich die Stadt, die ja auch der Ausgangspunkt meiner Reise bzw. der erste Stopp in Asien war, nicht so vom Hocker gehauen hat. Da ich dieses Mal aber viel Zeit hatte, konnte ich einfach mal drauf los spazieren, ohne Stress, ohne Termin. Und siehe da, so etwas abseits vom Mainstream, lässt es sich in der Stadt doch aushalten. Neben Sehenswürdigkeiten wie dem Golden Mountain und dem Wat Arun, die ich mit Basti beim letzten Mal auslassen musste, bin ich einfach mal durch kleine Gassen geschlendert, habe stundenlang in Parks gesessen und den Leuten beim Sport zugeguckt und von verschiedensten Essensständen genascht. Es wirkte alles nicht mehr so hektisch, weniger laut und auch die Luft war besser. Fast schon ein versöhnliches Ende mit Bangkok.

Und bei den Demonstrationen habe ich auch mal vorbei geschaut. Trotzdem, viel mehr hat die Stadt nun nicht mehr zu bieten. Daher habe ich am dritten Tag einfach meinen Rucksack gepackt und bin morgens mit dem Zug Richtung Samut Songhkram gefahren, 70km südwestlich von Bangkok. Das ist zwar nicht weit, dauert aber eine Ewigkeit, weil man den ersten Zug nach einer Stunde verlassen muss, um mit einem Boot einen Fluss zu überqueren, und dann den nächsten Zug nehmen muss, der nur 3-4 mal am Tag fährt und nochmal knapp zwei Stunden braucht. Die Endstation, Mae Klong, ist spätestens aus Galileo Big Picture oder ähnlich grandiosen Sendungen bekannt: der Zug, der durch den Markt fährt, bzw. andersrum; der Markt, der bis an die Schienen heran gebaut ist und bei Einfahrt des Zuges schnell zusammengeräumt werden muss. Das ist auf jeden Fall ganz witzig, wird aber extrem gehyped und ist dafür ein ziemlich kurzer Spaß. Die meisten Touristen machen es dann tatsächlich so, dass sie morgens von Bangkok kommen, z.B. wie ich um 13.45 da sind, einmal über den Markt rennen, um die letzte Bahn um 14.30 wieder zurück zu nehmen. Ganz genau: aua!

Ich habe mir dann erst mal ein Zimmer gesucht und für 3,60€ pro Nacht auch gefunden. Anschließend habe ich zu Fuß den Ort erkundet und nochmal einen Fluss weiteren überquert. Da war dann aber wirklich gar nichts mehr! Keine Ahnung, wann da das letzte Mal ein Tourist war. Man merkt das immer schnell, weil plötzlich immer mehr Augen auf einen gerichtet werden und die Leute – Jungs wie Mädls, jung oder alt – einen anlächeln und grüßen und dann miteinander tuscheln usw. Aber gerade dieses herzliche Lächeln hat echt was! Wenn’s einem mal nicht so gut geht, einfach eine Stunde Bahn in Thailand (nicht in Bangkok!) fahren und den Leuten an der Strecke zuwinken oder ein bisschen durch abgelegene Orte spazieren. Egal, mir ging’s auch so gut. Daher bin ich wieder zurück auf die andere Seite. Als es dunkel wurde, waren dann tatsächlich auch keine Touristen mehr zu sehen, auf den Straßen war aber trotzdem viel los. In einem Park wurde abends noch ein Markt aufgebaut, samt Bühnen und kleinen Fahrgeschäften. Über einen Uralt-Projektor wurde ein Film an eine Leinwand geworfen: Bangkok Dangerous mit Nicholas Cage. Haha!

Am nächsten Tag bin ich zu einem nahe gelegenen ‚schwimmenden Markt‘ gefahren, wo vormittags jedoch nicht so viel los war. Nachmittags bin ich nochmal hin, war auch nicht viel besser. Dann halt nicht. Sah aber auch so ganz nett aus. Abends habe ich ein thailändisches Pärchen kennengelernt und mit denen einen getrunken. Studenten, er 25 Jahre, aber englisch wieder same same: ausverkauft. Spaß hat es trotzdem gemacht. Später ging‘s auch noch kurz zum Rummel, wo wir noch lecker Fisch gegessen haben.

Ach ja, ursprünglich wollte ich ja nur eine Nacht bleiben, bin dann aber einfach da geblieben. Auf der Karte hatte ich gesehen, dass es bis zur Küste maximal 10km sein konnte. Daher habe ich mich am nächsten Morgen etwas durchgefragt und – nach vielen fragenden Gesichtern zu „seaside“, „ocean“, „big water“ – schließlich einen Bus bzw. ein großes Tuk-Tuk Richtung Meer genommen. Auch das wieder eine geniale Idee von mir, sollte ich doch da nochmal richtig gutes Seafood zu Spottpreisen bekommen. Der Ort, Don pipapo, schien so etwas wie ein Ausflugsziel für die Einheimischen am Wochenende zu sein. Aber auch einige Busse mit Chinesen kamen vorbei, was etwas merkwürdig war. Lange konnte ich aber nicht bleiben, da ich den letzten Zug nach Bangkok erwischen wollte. Im Zug habe ich dann einen Rentner aus der Gegend kennengelernt, der aber seit über 40 Jahren in den USA lebt. Das war eine sehr nette und interessante Bekanntschaft. So sind wir zusammen die 4 Stunden zurück nach Bangkok gefahren, inkl. eines einstündigen Aufenthalts auf einem Markt beim Umstieg. So muss man Thailand erleben! Nice.

Macao: eine andere Welt

Dienstag, 10.12.2013

Von HK aus ging es für Patrick und mich nach Macao, weiterhin begleitet von Audrey, die jedoch am nächsten Abend schon wieder zurück bei der Arbeit sein musste. Trotzdem hatte sie über ihren Onkel eine Unterkunft für zwei Tage organisiert, was natürlich super war, gerade weil die Hostels in Macao echt ins Geld gehen. Nicht klar war jedoch, wo genau wir absteigen würden, das sollte sich erst auf dem Hinweg an der Fähre ergeben: im MGM. Ach so. Was ist das? Nie gehört! 5 Sterne. Auf Hostelbookers oder was, von 10 möglichen? Nein, in echt. Und so weiter.

Es war schwer, die Euphorie zu unterdrücken und nicht in Jubel auszubrechen, aber wir sind lieber erst einmal skeptisch geblieben. Das MGM war laut Counter am Hafen eh ausgebucht. Wie sollten wir da so spontan, selbst mit Connection, ein Zimmer bekommen?!

Auf dem Weg vom Bus in die Lobby sprechen uns mehrere Leute in Uniform an, begrüßen uns freundlich, halten die Türen auf, lächeln. Was wollen die uns jetzt schon wieder andrehen? Wir gehen unsicher auf dem Marmor zur ersten Ledercouch und machen uns breit. Kurze Hose, Flip Flops und Rucksack. Audrey versucht, ihren Onkel zu erreichen. Dann endlich: Onkel und Tante würden unerwartet, spontan und doch persönlich vorbei kommen und hatten statt Patrick und mich eigentlich Audreys Mutter und Schwester des Onkels erwartet. Ups, ob die Überraschung gelingt? Vielleicht verstecken wir uns besser. Zu spät: da sind sie schon! Audrey begrüßt sie herzlich, wir sollen erst einmal im Hintergrund bleiben. Nach einiger Klärung, dürfen auch wir hallo sagen. Es funktioniert, abgesehen von dem Englisch. Anschließend beziehen wir unsere 48m² zu einem Preis von ~400€ pro Nacht. Glaubt man einfach nicht!

Es bleibt aber nicht viel Zeit, weil wir uns direkt zum Essen verabredet haben. Mit dem Taxi geht es in ein unweit entferntes chinesisches Restaurant. Man wird erwartet und trifft noch drei Freunde vom Onkel, die bereits am Tisch sitzen. Es wird serviert wie die letzten Tage: bestes Seafood und weitere lokale Spezialitäten. Dazu guter Wein. Englisch spricht keiner, aber Audrey übersetzt hin und wieder. Wir prosten uns auf Kantonesisch zu. Wahnsinn. Die Rechnung ähnelt einer Hotelnacht. Damit hat sich das Thema, Patrick und ich könnten uns ja für das Zimmer revanchieren, auch erledigt.

Abends sind wir dann durch die Casinos gezogen. Krass, was da abgeht. An hunderten Tischen zocken die Chinesen Spiele, deren Regeln wir nicht ansatzweise verstehen. Wer hat gewusst, dass Macao sechs Mal so viel Umsatz macht wie Las Vegas? 30 Milliarden. Hotels, deren Baukosten sich innerhalb weniger Monate amortisieren. Auch bzgl. der Dimensionen können die Hotels und Casinos in Vegas einpacken. Das Venetian in Macao war oder ist anhand der Nutzfläche das sechstgrößte Gebäude der Welt. Da wandern Tausender über die Tische, so schnell kann man gar nicht gucken. Wer Student ist, hat verloren. Wer sich ein vernünftiges Limit von 50€ oder so setzt, kann an den „kleinsten“ Tischen genau ein oder zwei Mal mitspielen. Das ist ein Mal Karten geben bei Black Jack. Da kann so eine wilde Casino-Nacht in 20 Sekunden vorbei sein. In unserem Fall waren’s vielleicht 5 Minuten. Totalschaden. Egal.

Am nächsten Morgen gab es dann Brunch, gleiche Runde, gleiches Restaurant, ähnliches Essen. Hühnchen, Garnelen, Austern usw. Wir haben fast schon ein schlechtes Gewissen. Man fragt sich, was die Leute machen, lässt es aber lieber sein. Nebenbei empfängt mein Sitznachbar eine SMS mit Insider-Tipps für das heutige Pferderennen.

Leider muss Audrey am Nachmittag weg. Danke1000 nochmal für eine geniale Zeit! Patrick und ich haben dann mal die Stadt erkundet, die zwar einige nette Teile aus der Zeit als portugiesische Kolonie zu bieten hat, sonst aber auch nicht viel.

Schließlich waren wir noch ein bisschen zocken und haben den Abend mit Drink und Zigarre bei guter Live Musik in der Hausbar ausklingen lassen. Passt.

 

Hong Kong: Stadt der Superlative, des guten Essens und AUDREY!

Montag, 09.12.2013

Am nächsten Tag ging es dann zusammen mit Patrick nach Hong Kong. Endlich Urlaub! Neben der Stadt selbst, wollte ich da aber in erster Linie meine Freundin Audrey besuchen, die ich vor drei Jahren bei meinem Auslandssemester in Estland kennen gelernt habe.

Nach Ankunft haben wir uns erst einmal vom Wetter überraschen lassen. Klar, HK liegt deutlich weiter im Norden als KL, aber mit 10-15° nachts hatten wir nun nicht gerechnet. In Patricks Koffer fand sich kein einziges langes Kleidungsstück. Oh man. Ich selbst hatte ja zum Glück eh alle Sachen dabei.

Netterweise hat der Pilot unserer Maschine bei Anflug auf HK die Stadt schon einmal umkreist. Somit haben wir einen ersten Eindruck bekommen können. Wahnsinn. Um die vielen Millionen Leute unterzukriegen, die sich auf die beiden Inseln HK Island und Lantau sowie dem Festlandstück verteilen, wovon ein großer Teil auch noch bergig ist, wurde die Stadt einfach komplett in die Höhe gebaut. Erst bei genauerem Hinsehen findet man mal ein Haus mit weniger als 40 Stockwerken. Audrey war so nett, uns am Flughafen zu empfangen, von wo aus wir den Bus in die Wohnung ihrer Familie genommen haben. Die Wohnanlage war nicht weit vom Flughafen entfernt und flächenmäßig wahrscheinlich nicht größer als ein paar Fußballfelder. Mit 20 Häusern und je 40-50 Stockwerke, findet hier jedoch zahlenmäßig locker eine mittelgroße deutsche Stadt Platz. Am Rand der Anlage findet man noch die letzten übrig geblieben Gebäude eines alten Fischerorts, der den Menschenmassen zum Opfer gefallen ist.

Was dann geschah, war einfach nur schön. Ihr erinnert euch ja, dass ich erst am Vorabend das geniale Seafood hatte. Was Audreys Mutter uns dann servierte, hat das Essen noch einmal übertroffen. Vor allem die Knoblauchgarnelen, die Muscheln und die gekochten Austern waren fast zu lecker, um sie runterzuschlucken. Aber da es keine „darf ich auch mal eins probieren“ Portionen waren, sondern einfach nur viel, haben wir uns mit dem Zeug vollgestopft bis zum Rand. Und dann noch drei.

 

Die erste Nacht sind wir bei Freunden von Freunden von Audreys Mutter in der Platte untergekommen. Das war super, nicht nur, weil wir Kohle gespart haben, sondern weil wir dann auch am nächsten Tag noch Lantau erkunden konnten. Denn auf einem der Berge befindet sich wichtige Sehenswürdigkeit Hong Kongs: der große sitzende Buddha, den man mit dem Bus oder, wie in unserem Fall, mit einer ewig langen Gondel erreicht. Der kleine Ort vor dem Buddha könnte touristischer nicht sein. Trotzdem, landschaftlich extrem schön, klarer Himmel, trockene Luft, 20° und Sonne. So geht Sommer in den Bergen! Für die Bewohner Hong Kongs eher Winter. Keine Ahnung, ob man denen sagt, „jetzt ist Winter, tragt Winterklamotten“ oder ob sie wirklich frieren, auf jeden Fall sind wir mit unseren kurzen Sachen schon aufgefallen.

Am Abend habe ich mit Patrick dann ein Hostel in Hong Kong City bezogen. 9m², inkl. 2 Betten und Bad. Ohne Fenster. Gemütlich. Die Straßen drum herum, im Viertel Kowloon, sind einigermaßen lebendig, kann man wohl sagen. Shop an Shop an Stand, hunderte Leuchtreklamen reichen von der einen Straßenseite bis kurz vors Haus auf der anderen. Keine Ahnung, wie das mit der Vergabe des Luftraums über den Straßen geregelt ist. Die Straßen sind taghell. Hong Kong boomt. Der Teil auf Hong Kong Island ist mehr das Geschäfts- und Bankenviertel, noch einmal höher, noch einmal fetter. Was für eine Stadt. Hier drüben sieht man dann auch mehr Europäer. Der Kleidungsstil reicht von Comic-Held  und Manga-Figur bis Anzugträger, auf jeden Fall fällt es extrem auf, wie viel stylischer sich die Leute anziehen, verglichen mit Kuala Lumpur. Man sieht, hier liegt die Kohle. Was in KL ein Toyota, Isuzu oder Proton ist, ist in HK Mercedes, Porsche, Ferrari oder Lamborghini. Man spürt auch förmlich, dass die Chinesen es einfach drauf haben: alle sind auf Zack, geschäftig, fleißig und helfend. Oder wie nennt man das? Förderlich? Auf jeden Fall nicht zu verwechseln mit „hilfsbereit“. Das sind die Leute in Bangkok oder KL auch, nur ist das bei denen halt selten zielführend. Die Leute gammeln einfach weniger rum. Vielleicht lag das ja auch am Wetter. Es fällt zumindest auf. Selbst die Rolltreppen scheinen einen Ticken schneller zu laufen als anderswo.  

         

Ob von der Aussichtsplattform auf HK Island, der höchsten Bar der Welt auf knapp 450 Metern oder mit dem Bus durch Außenbezirke, wir haben Hong Kong von oben und unten, von vorne und hinten erkundet. Begleitet von kulinarischen Köstlichkeiten, die grundsätzlich Audrey für uns ausgesucht und zusammengestellt hat.

 

Am letzten Tag mussten wir dann leider noch das Hostel wechseln. Da wir vorher nicht gebucht und mehr oder weniger jeden Tag neu bezahlt haben, hat man kurzerhand die Preise am Wochenende nahezu verdoppelt und uns somit rausgeschmissen.  

Hong Kong hat echt überzeugt. Die Chinesen sind freundlich und haben einen Sinn für Business und Service. Aber auch preislich spielt HK eher in einer Liga mit Singapur.

Das Beste zum Schluss

Montag, 02.12.2013

Da das Studium hier wie gesagt an erster Stelle steht, will ich noch ein paar Zeilen zu den beiden abschließenden Klausuren loswerden. In einem Wort: Chaos. Erinnerungen an die Bioklausur 7te, 8te oder 9te Klasse kommen hoch: alle rennen rum, quatschen, schreiben ab; Gruppenarbeit. Da mag man sich fragen, wie das in einer MBA Abschlussprüfung passieren kann. Ganz einfach, und zwar indem bei der Prüfung das notwendige Statistikprogramm SPSS nicht auf den PCs installiert ist. Richtig, wieder einmal Aua. Stattdessen aber die Open-Version PSPP, mit der jedoch nur die Hälfte der Aufgaben bearbeitbar ist. Inklusive Korrekturlesen waren dann die meisten nach einer Stunde fertig. Das einzig Sinnvolle, was man jetzt hätte machen müssen, wäre gewesen die Klausur an der Stelle abzupfeifen und das zu werten, was halt möglich war. Irrtum im Walde. Stattdessen kommen nach einer weiteren Stunde Däumchendrehen zwei Jungs ins Zimmer, jeweils mit einem USB Stick bewaffnet. Zwischen Counterstrike, Mucke und Filmchen fand sich dort auch eine gecrackte Version von SPSS drauf, die dann auf den PCs installiert wurde. Während es bei einigen anschließend sofort funktionierte, musste der Vorgang bei anderen wie auch mir mehrmals wiederholt werden. Damit wurde die Zeit am Ende doch noch knapp und das ganze Chaos spiegelte sich natürlich auch auf meinen Zetteln wider.

Egal, anschließend stand das Konzert aufm Programm und das wurde richtig dick! Also Raverbrille aufgesetzt und auf den langen Weg Richtung F1 Strecke gemacht. Martin Garrix, Bass Jackers, Avicii: vier Stunden raven nonstop. Da habe ich glatt das Mittag- und Abendessen vergessen, weshalb ich am Ende fast noch umgekippt wäre. Trotzdem, hat sich gelohnt.

Nach drei Stunden Schlaf stand dann die nächste Klausur an. Die lief wie am Schnürchen, wie warme Semmeln, wie n Länderspiel. Mache ich jetzt immer so.

Am Nachmittag hat dann Benny, ein chinesischer Malaie ausm Haus, angeboten, den Belgiern und mir ein gutes Seafood Restaurant in der Gegend westlich von Shah Alam zu zeigen. Ich hatte die Woche zuvor mal erwähnt, dass mir Fisch und Meeresfrüchte bisher etwas zu kurz gekommen sind. Die Fahrerei ist zwar zeitlich etwas ausgeufert, aber die Landschaft war schön und das Seafood war der Hummer, bzw. der Hammer-Hai. Nein, das nicht, aber Fisch, Garnelen, Krebs, Tintenfisch, und mindestens fünf weitere Platten mit, bis dahin, vielleicht wirklich dem besten Seafood denn je. Bei den Chinesen läuft das Essen nämlich anders als bei uns. Da bekommt nicht jeder „seinen“ Teller, sondern die ganze Gruppe bestellt etliche Gerichte, die dann komplett geteilt werden. Insgesamt Grandios. Gaumenschmaus. Und dann auch noch eingeladen. Danke1000. Anschließend ging es noch einmal zur Familie von Benny, bei der es dann viel Bier und noch mehr Seafood gab. Was für ein Abschied von Malaysia!

Wer hat an der Uhr gedreht?!

Mittwoch, 27.11.2013

Gerade ist meine Letzte Woche in Malaysia angebrochen. What?! Ey, das ging jetzt echt zu schnell. Und ich muss mir eingestehen, dass ich am Ende doch nicht viel von Malaysia gesehen habe. Die ganze Westküste mit Langkawi, Penang samt Halbinsel, Melaka, die Cameron Highlands und natürlich auch der ganze Borneo-Teil Malaysias bleiben für mich graue Flächen auf der Landkarte. Na gut, zumindest die Städte kann man sich vielleicht auch sparen. Chaos habe ich genug gesehen und wenn im Reiseführer als Sightseeing-Highlight China-Town angepriesen ist, dann sagt das eh schon Einiges aus über eine Stadt. Außerdem, mal ehrlich, an eine alte europäische Stadt mit mittelalterlichem Stadtkern, kommt sowieso nichts ran. Trotzdem hätte ich gerne noch eins zwei Ausflüge gemacht. Aber da der Stresser von der Uni den Hals nicht vollbekommt und uns tatsächlich noch eine Hausarbeit für die letzte Woche (zwischen dem letzten Kurs und der Klausur!) aufgegeben hat, kann ich mir das mit dem Ausflug abschminken.

Aber nach den Klausuren bleibt ja immer noch ein wenig Zeit und da stehen noch einige Highlights auf dem Programm. Ok, das erste findet genauer gesagt noch zwischen den beiden Klausuren am Samstagabend statt: Avicii in Kuala Lumpur! Ob das fett wird, hab‘ ich euch gefragt! Nur wie gesagt, dass man auf den Sonntagmorgen dann die Prüfung legt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das Konzert steht ja nun nicht er seit heute fest! Egal, Augen zu und…nicht verschlafen! Des Weiteren sind Tickets für Hong Kong, Macau und wiederum Bangkok gebucht. Andere Ideen wie Laos, Vietnam, China, die Philippinen, Südkorea und Indien muss ich aus Zeit-, Kosten- und anderen Gründen fallen lassen.

Dies & Das

Samstag, 23.11.2013

Jetzt sind schon wieder zwei Wochen rum und ich muss zugeben, dass ich gar nicht viel zu erzählen habe. Ich arbeite weiterhin hart…an meiner Bräune. Und ich war noch ein paar Mal in Kuala Lumpur unterwegs, da ich immer noch einige nette Stellen nicht gesehen habe. Speziell das Gebiet um die Bahnstation Masjid Jamek mit der Jamek Moschee, dem Sultan Abdul Samad Building, der City Gallery bis hin zum Central Market ist jedoch sehr ansehnlich.

Ansonsten war ich mit den anderen Deutschen hier und da mal was essen, Party machen und im Kino: Thor in 3D. Keine Ahnung, worum es ging, aber die Effekte haben gepasst. Ganz im Gegensatz zum Hotdog, der aus einer kalten Rinderwurst mit viel Ketchup und noch mehr Senf bestand. Keine Ahnung, was daran jetzt Hotdog sein sollte. Vielleicht der Verkäufer? Da steht doch schon drauf, dass das Ding heiß muss. Da wird der Quatsch quätscher bis er quietscht.

Ich würde nicht sagen, dass mir das Essen zum Hals raushängt, aber irgendwie ist es doch immer ähnlich. Klar, ich gehe hier unten bei mir fast jeden Tag beim selben Inder essen. Und selbst wenn ich heute – nach SIEBEN Wochen – rausbekomme, dass die auch eine Speisekarte haben, so sind zehn verschiedene Mee Goreng Varianten doch immer noch ein Teller Nudeln. Trotzdem meistens noch besser als ein Teller Reis. Am Wochenende hingegen ziehen wir dann Fastfood den lokalen Speisen vor. Bei einem Preis von € 1,40 bis € 2,50 pro Menü bei McDonalds und Burger King, ist das aber auch kein Wunder. Beim Essen an einem der vielen Stände an den Straßen halten sich Pech und Glück die Waage. Mal gibt es einen genialen Wok oder heiße Teigtaschen mit überraschend leckerer Füllung, mal wird man mit verschiedenen Fischsorten im Bananenblatt gegrillt angelockt, bevor man feststellen muss, dass sich die ganzen Fischsorten bzw. –Reste als ekelhafte Masse in jedem dieser Blätter befinden. Und das in einem Land, in dem es Fisch im Überfluss gibt. HUALP! Das mache ich höchstens noch zwei Mal!

Hin und wieder bleibe ich mal eine Nacht bei Patrick in KL, da ich spät abends nicht mehr nach Shah Alam zurück komme und weil am Wochenende der Weg von dort zur Uni kürzer ist. Dann komme ich mal kurz in den Genuss eines Ausblicks, der vielleicht sogar den doppelten bis dreifachen Preis meiner Bude wert gewesen wäre. Egal, ich werde die Kohle auch auf andere Weise los.

Das Wetter in KL hat sich insgesamt doch sehr verändert. Auch wenn die Hitze bleibt, weicht die Sonne jetzt fast täglich gegen Nachmittag einem ergiebigen Gewitter, von dem jedes einzelne in Bezug auf Wassermasse und Lautstärke alles vorher Gekannte übertrifft. Für Gewitterfreunde wie mich ist das natürlich Sahne. Peinlich nur, dass man als Europäer bei diesen Donnern gar nicht anders kann, als jedes Mal zusammenzuzucken. Da wackeln echt die Wände! Auch schon wieder geil.

 

Achja, dann wurde hier letztens noch Deepavali (Diwali) gefeiert: das großen Indische Weihnachten, das Fest der Lichter. Naja, ein paar Bilder mit buntem Sand auf den Boden gestreut sahen schon ganz nett aus, hier und da ein Feuerwerk und ja, was soll das eigentlich, ein paar wild kostümierte Tunten, die durchs Einkaufszentrum tanzen. Der Deepavali Schmuck wurde dann auch ziemlich schnell Mitte November durch die Weihnachts-Deko ersetzt. Da sehnt man sich direkt ein bisschen nach einem kalten Adventsnachmittag auf einem gemütlichen Glühweinmarkt. Aber hier, bei 30°C, hält sich der Appetit auf Glühwein in Grenzen, es sei denn, er hätte die Temperatur des Hotdogs im Kino.

Endlich wieder Woche - Koh Phi Phi und Krabi

Montag, 18.11.2013

Da wir nun knapp drei Wochen frei hatten, mussten wir ja irgendetwas machen. Schließlich habe ich mich mit Alex, einem deutschen Kommilitonen, und dessen Mitbewohner Chris dazu entschlossen, eine Woche nach Krabi und von dort aus weiter auf die Insel Koh Phi Phi zu fahren.

Kurz und knapp: Koh Phi Phi ist echt nicht zu empfehlen. Der weiße Sandstrand blendet durch die viele Sonne total in den Augen, das Wasser ist zu warm und wirkt dazu irgendwie noch,… ja, regelrecht verdünnt, weil es so durchsichtig ist, dass man überall den Meeresgrund und die Fische sehen kann. Naja, und abends nach dem Essen werden dann wilde Partys direkt am Strand gefeiert, ohne Dach überm Kopf, begleitet von waghalsigen Feuershows. Und auch hier fällt trauriger weise wieder auf, dass sich die Leute scheinbar nicht einmal Gläser leisten können, da man direkt aus den Kokosnüssen trinken muss. Da also alles so schrecklich war, haben wir beschlossen einen Tag lang von dieser Insel zu flüchten und uns von einem Boot zum Schnorcheln auf die benachbarten Inseln bringen zu lassen. Mit dem Effekt, noch weißere Strände und noch klareres Wasser zu haben. Na toll! Und dann auch noch hunderte von Fischen um einen herum, sodass man gar nicht richtig schnorcheln kann. Zurück auf Koh Phi Phi, bin ich mit Chris für einen letzten Schnorchelgang zum Sonnenaufgang an den 30min entfernten Long-Beach gelaufen, wo wir nichts ahnend plötzlich von mehreren 1m -1,50m Haien umkreist wurden. Damit war der Urlaub echt gelaufen.

Auf dem Rückweg haben wir noch drei Nächte in Krabi, bzw. in Ao Nang verbracht, wo alles ein bisschen erträglicher war, auch wenn der gegrillte Cat-Fish am Spieß zu viele Greten hatte, der Cocktail zu fruchtig war und die Riesengarnelen sowieso – wie immer – eine Riesensauerei waren.
Am letzten Tag habe ich mit Alex einen Roller gemietet und ein bisschen das Hinterland erkundet. Neben kleinen abgeschiedenen und ursprünglichen Dörfern am Rande von Palmenplantagen und abgelegenen Stränden wie auch Höhlen, gab es aber nicht so viel zu sehen. Auch, weil man landschaftsplanerisch den Fauxpas begangen hat, dort überall so große Hügel und schroffe Kalksteinfelsen hinzustellen, sodass einem die Weitsicht genommen ist.

Endlich wieder „Woche“ – und ein Hauch von Paradies auf Tioman

Sonntag, 27.10.2013

An einem dieser anstrengenden Samstage hatte ich dann das dringende Bedürfnis einfach mal abzuhauen. Also habe ich mich während des Kurses etwas erkundigt und bin anschließend mal Richtung Busbahnhof gefahren, wo ich mir ein Ticket nach Mersing, einem Ort an der Ostküste Malaysias gekauft habe. Natürlich erst für den darauf folgenden Abend, Sonntag ist ja noch Uni.

Die Busfahrt dauerte knappe fünf Stunden und war wegen der ausgeschalteten Klimaanlage relativ unangenehm. Trotzdem verfügen die Busse hier über eine geniale Ausstattung, die man in Deutschland bisher wohl vergebens sucht: pro Reihe lediglich drei breite, bequeme Sessel mit Beinfreiheit, breiten Armlehnen und vor allem jeweils einem Touchscreen im Vordersitz, über den Musik, Spiele und aktuelle Filme abrufbar sind. In Mersing kamen wir dann um vier Uhr nachts an, eine vielleicht etwas unglückliche Zeit. Immerhin hatte ein „Mama-Restaurant“ in der Nähe des Hafens geöffnet, wo ich die drei Stunden bis zur ersten Fähre überbrücken konnte. Dann ging es endlich los!

Tioman ist eine kleine Insel mit gerade einmal 5km Durchmesser, einem der besten Tauchspots Malaysias, schönen Stränden, zwei Straßen und einem der ursprünglichsten Regenwälder des Landes. Die Insel zählt um die 200.000 Touristen pro Jahr, von denen bei Ankunft aber keine Spur war. Die Wege und Strände waren wegen des anstehenden Monsuns wie ausgestorben und die 40 Gäste, die auf meiner Fähre waren, sollte ich alle noch mehrmals wieder treffen. Von Tekek, der „Hauptstadt“ der Insel, hatte ich irgendetwas wie Kuta auf Bali erwartet: eine lebhafte, touristische Ortschaft mit Hotels, Ständen, Trubel usw. Blödsinn! Die Gebäude, die sich entlang der einzigen Straße im Ort aufreihen, kann man an drei Händen abzählen. Parallel zur Promenade verfügt der Ort aber sogar über eine kleine Landebahn, auf die sich bei Ankunft gerade eine kleine Propellermaschine absenkte, nachdem sie spektakulär knapp über den vorgelagerten Hügel kam.

Das Boot fährt mehrere Stege auf der Westküste der Insel an. Ich habe den am ABC-Beach gewählt, einen Ort weiter nördlich von Tekek und beliebter bei Backpackers. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass es sich lohnen würde, von hier aus in Richtung Norden bis zum Ort Salang zu wandern. Also habe ich einen Teil meines Krempels – ich hatte ja noch das ganze Unizeug dabei – an einem der Unterkünfte dort gelassen und bin einfach mal losgelaufen. Der Pfad war einigermaßen anspruchsvoll, zum Teil schmal, rutschig und steil. Lediglich mit Badehose bekleidet, hat sich da alleine im Dickicht schon ein kleines Unbehagen breit gemacht. Ein Typ, der mir nach fünf Minuten entgegen kam, konnte mir das auch nicht so wirklich nehmen: ich solle zumindest nach den Kobras und Python Ausschau halten. Alles klar! Ob er zufällig, eine Notrufnummer parat habe? Haha, die gebe es auf der Insel nicht, mache zeitlich einfach keinen Sinn, dann noch in den Dschungel aufzubrechen. Ah ja, gut. Der Pfad führte die Küste entlang, vorbei an traumhaften Stränden mit türkisenem Wasser und dann weiter durchs Unterholz. Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen. Direkt vor mir auf einem Stein saß eine ein Meter lange Echse, eine Art Waran vermutlich. Krass. Zudem Zeitpunkt dachte ich noch, ich hätte den Vogel abgeschossen. Meine Freude sollte sich später allerdings in Salang etwas relativieren, als ich dort die 2 - 2 ½ Meter Exemplare gesehen hatte, die da mehr oder weniger als Plage zu den festen Mitbewohner des Ortes zählen. Eine Stunde lang habe ich keine Menschenseele getroffen, bis kurz vor dem Monkeys Beach auf halber Strecke nach Salang ein deutsches Ehepaar vor mir war. Mit denen habe ich dann ein Taxi-Boot nach Salang genommen. Nachdem ich mich von den Deutschen zum Mittagessen einladen gelassen habe, bin ich direkt eine Runde Schnorcheln gegangen und habe zu meiner großen Freude gerade einmal 20 Meter vom Strand ein völlig intaktes und blühendes Korallenriff gefunden, das bis zu einem halben Meter an die Wasseroberfläche heran ragt. Grandios kann ich nur sagen! Sofort 20, 50, 100 Fische um mich herum, in Farben, die ich noch nicht einmal benennen könnte, jeder in einer Größe , die für ein Abendessen reichen würde. Geradezu verfolgt von den Fischschwärmen und von Zeit zu Zeit von besonders interessierten Exemplaren angeknabbert, bin ich dann durch diese unfassbare Unterwasserwelt getaucht. Die Erde ist schön!
Leider musste ich feststellen, dass ich ab 4-5 Metern erhebliche Druckprobleme mit meiner Stirnhöhle bekomme, sodass ich auf einen echten Tauchgang leider verzichten musste. Stattdessen habe ich am nächsten Tag mein Schnorchelset noch durch Flossen komplettiert und bin etwas weiter raus, um eine kleine vorgelagerte Insel geschwommen. Hier sind die Fische noch einmal etwas größer gewesen. Hinzu kamen zwei große Schildkröten, an die ich auf wenige Zentimeter ran kam. Nur die Haie, die sich dort auch noch rumtreiben, blieben mir verwehrt. Abends war ich mit ein paar Leuten essen und auch mal ein paar Bier trinken. Denn als ob Tioman noch nicht Paradies genug wäre, ist es auch noch eine Duty Free Insel.

Am zweiten Abend ging es dann zurück zum ABC-Beach, wo ich mich noch in eine nette Strandbar gesetzt habe. Als ich so aufs dunkle Meer hinaus geblickt und vielleicht einen kurzen Gedanken ans kalte Deutschland verschwendet habe, schlängelte sich plötzlich etwas langes Gestreiftes aus dem Wasser auf den Strand. Ein Einheimischer erklärte, sie nennen die Schlange naheliegend „Sea-Snake“ und ja, die lege einen schon um, wenn man ihr einen Grund dafür gibt. Gut, dass ich so nem Biest ein paar Stunden vorher noch wie blöd hinterher getaucht bin. Egal. Dann habe ich noch einen anderen Deutschen kennengelernt, mit dem ich am nächsten Morgen auf die Ostseite der Insel gewandert bin.

Der Weg auf die andere Seite war leider nicht so spektakulär wie angepriesen. Der Wald an sich war beeindruckend, aber außer ein paar Affen hoch oben in den Bäumen, haben wir nicht viele Tiere gesehen. Nach 2 ½ Stunden Wanderung bei tropischem Klima hatten wir dann den Ort Juara an der Ostküste erreicht. Das ist übrigens der einzige Ort auf der Seite und hält einen, bzw. zwei noch schönere und breitere Strände bereit. Nach einem kurzen Mittagessen, hat sich der Deutsche schon wieder verabschiedet und sich mit zwei Amis ein Taxi zurück zur Westseite geteilt. Ich hatte mir vorher sagen lassen, auf der Seite gebe es Wellen und man könne sogar surfen. Leider plätscherte das Wasser aber nur vor sich hin. Als ich dann ans Ende des anderen Strandes spaziert bin, sind da plötzlich tatsächlich ein paar Surfer draußen und alle paar Minuten fallen da richtige Wellen rein. Geil. Dazu eine coole Surferbar, aus Brettern zusammen genagelt, die einem ehemaligen australischen Profisurfer gehört, seit ein paar Monaten aber mehr oder weniger von einer Deutschen bewirtschaftet wird. Damit hat die Insel alles, was sie braucht! Geil. So gut, dass man‘s eigentlich für sich behalten muss. Da den Blog aber eh fast niemand liest, geht das schon in Ordnung. J Da bin ich also knapp zwei Tage geblieben, bei gutem Essen, Surfen und hin und wieder hat mal jemand ein paar Kokosnüsse gepflückt, die wir dann mit Rum und frischem Ananassaft verfeinert haben. Neben Kokosnüssen hängen auch Mangos zu hunderten in den Bäumen. Und dann auch noch das leuchtende Plankton nachts im Wasser. Besser geht nicht! Die letzte Nacht habe ich dann mit Abbas, einem Malaien, und Jana aus Deutschland, die ich beim Surfen kennen gelernt habe, auf der Westseite verbracht. An der Stelle wurde das erste Mal die Religion vor das Geschäft gestellt, als uns ein Gastwirt kein Zimmer geben wollte, dass sich dann Abbas, als Malaie, mit einer „fremden“ Frau geteilt hätte. Das andere Hostel war eh günstiger. Hier haben wir dann auf dem Rückweg abends doch noch eine richtige Schlange gesehen: ein 3 – 4 Meter langes Monster, das direkt am Wegesrand ein paar Meter vor unserer Hütte lag. Abbas wäre fast draufgetreten. Noch mal gut gegangen.

Die Wildnis auf Tioman war beeindruckend. Klar, vielleicht nicht so geil wie der Hofer Zoo, aber trotzdem schon nicht schlecht. Die Strände hatten allesamt Postkartenniveau. Die ganze Woche war einfach perfekt. Das war genau das, was bisher auf meiner Reise noch gefehlt hat. Und auch mal alleine unterwegs zu sein, hat echt gut getan.

So, jetzt ist mein Blog fast up-to-date. Und die nächste Reise steht schon an. Morgen geht es los für eine Woche in den Süden Thailands, erst nach Krabi und dann weiter nach Koh Phi Phi. Ich gehe von einem relaxten Strandurlaub aus…aber man weiß ja nie!

Uni - ich bin ja nicht zum Spaß hier!

Mittwoch, 23.10.2013

So. Da ich jetzt mehrmals darauf angesprochen wurde, möchte ich noch einmal kurz klarstellen: nein, ich mache hier keinen Urlaub, ich lebe und studiere hier! Übrigens auch meine Antwort, wenn mich jemand in KL fälschlicherweise für einen Touristen hält. Die anwesenheitspflichtigen Kurse beschränken sich halt zufällig auf das Wochenende, sodass auch etwas Zeit bleibt, die Gegend zu erkunden. Da an der Uni Kleiderordnung herrscht, musste ich vor unserer Einführungsveranstaltung noch einmal schnell gegenüber zum Supermarkt flitzen. Kuule Lumpen! Alle anderen Kurse finden dann aber in Kuala Lumpur statt.
Die Uni ist ok, auch wenn man hin und wieder, selbst von Dozenten, etwas verwundert gefragt wird, warum es denn unbedingt die MSU geworden ist. Ich bin kein Freund davon, mein Studium lediglich anhand eines Rankings der ganzen universitären Einrichtung zu bewerten. Was interessiert mich, wie viele Artikel meine Uni veröffentlicht und diesbezüglich zitiert wird, wenn ich einen super kompetenten Professor habe, der beide meiner Kurse hält und dabei ordentlich Stoff gibt? Mal abgesehen von der Art und Weise, wie er die Kurse hält. So gut er inhaltlich sein mag, der Kerl ist einfach ein Stresser! Samstag und Sonntag, jeweils acht Stunden, hämmert er seinen Vortrag in die Leute. Unfassbar. Und nach jedem zweiten Satz ein aggressives „ISN’T IT?!“ oder „RIGHT?!“, woraufhin einem gar nichts anderes übrig bleibt, als verängstigt zuzustimmen. Und anschließend gibt es zehn Aufgaben, die jeweils eine Auswertung mit SPSS sowie einen Report von einer halben Seite umfassen, für die wie jeweils 30 Sekunden Zeit haben. Hä?! Dann lass uns doch eine davon machen und dafür richtig! Naja, wenn man Samstag noch Party machen war und nur vier Stunden geschlafen hat, mag die Wahrnehmung vielleicht auch etwas verzerrt sein. Und der Kopf tut auch ohne das Geschrei schon weh. Das mache ich höchstens noch zweimal! Egal, gerade in Hinblick auf meine Masterarbeit habe ich doch nochmal einige wichtige Dinge zum wissenschaftlichen Arbeiten gelernt, die meiner Meinung nach bereits im vorangegangenen Studium essenziell gewesen wären.

Insgesamt bin ich auf jeden Fall zufrieden. Der Arbeitsaufwand ist zwar höher als vermutet und viel höher als gehofft, aber die acht Wochenenden, von denen jetzt Anfang November auch noch zwei ausfallen, werde ich schon durchhalten. Seid unbesorgt.

Lass uns doch mal übers Wetter reden! & Weitere (Un)sitten

Montag, 21.10.2013

Kurzum, die Hitze ist natürlich unerträglich in der Stadt. Dafür sind halt fast alle öffentlichen Gebäude, Shopping-Center, Busse und Bahnen und natürlich die Uni klimatisiert. Da fragt man sich schon, warum das eigentlich in Deutschland so schwierig ist. Bei klimatisierten Räumen wäre ich letzten Sommer mit Sicherheit häufiger in der Uni gewesen. Dennoch, die Malaien neigen beim Thema Temperaturen einfach zu Extrema. Draußen schwitzt man, drinnen friert man. Dazwischen gibt es nichts! Ständig ein Temperatursprung von 10-15°C. Die Malaien scheint das überhaupt nicht zu stören. Kein Mucks. Wahnsinn. Wechselwarme Menschen! Trotzdem sind auffällig viele die ganze Zeit am Rotzen und Schniefen. Die Kausalität bleibt unentdeckt.

Um aber kurz zumThema Religion zurückzukommen, muss ich noch die Geschichte vom Tag zuvor erzählen. Bella, eine Malaiin, die ich kurz vor meiner Abreise in Hof kennen gelernt habe, hat mich zu ihrer Familie eingeladen, um ein muslimisches Opferfest zu feiern und zusammen zu essen. Klar doch, geil! Ein bisschen malaiische Tradition und Familienleben nehme ich gerne mit. Nach kurzem Hin und Her hat sie mir dann auch noch angeboten, sofern ich mich mental etwas darauf vorbereite, bereits morgens an der Opferungszeremonie teilzunehmen. Wenn schon, denn schon! Was dann kam, war aber echt ein Schocker! Bella hat mich also morgens abgeholt. Arnold, Stefanie und Patrick sind kurzerhand noch dazu gestoßen. Mit dem Auto ging es dann nach Subang Jaya, einem netten und ruhigen Vorort etwas südlich von Shah Alam. Wir haben dann auf irgendeinem privaten Grundstück gehalten, wo schon ein bisschen Trubel war: Malaien, die zum Teil festlich gekleidet waren, und einige Kühe, die an Bäumen festgebunden waren. Das Opferfest also. Die Geschichte ist die, in der Abraham von Gott auf die Probe gestellt wird, indem er seinen Sohn Isaak opfern solle. Der dem ein oder anderen mag es vielleicht dämmern. Der Ablauf einer koscheren Opferung in Kurzfassung: Die Kuh wird mit Manneskraft und Seilen niedergelegt, dann gefesselt. Anschließend werden einige Zeilen aus dem Koran aufgesagt. Dann wird die Kehle durchschnitten und die Kuh verblutet innerhalb der nächsten 5-10 Minuten. Wichtig ist, das kannte ich auch schon aus dem „Medicus“, dass derjenige mit dem Messer keine Zweifel oder schlechten Gefühle dabei haben darf. Innerhalb weiterer 10 Minuten ist das Kalb gehäutet, ausgenommen, zerteilt und verladen. Die Fotos und Videos erspare ich euch. Zwischen Religion und Sensation. Zumindest wissen die Kinder noch, wo das Fleisch auf dem Teller herkommt. Kaum vorstellbar, dass das gesamte Fleisch bei McDonalds in Malaysia (und sicherlich anderswo) auf koscher Art produziert wird.

Wenn ich schon ständig vom Essen rede, dann muss ich auch erwähnen, WIE gegessen wird. Zum einen gibt es schon mal überhaupt keine Messer. Egal, ob ich ein Fleisch bestellt habe oder sonst irgendetwas, verarbeiten muss ich es mit Gabel und Löffel. Doch weil das noch nicht Unfug genug ist, oder auch aus Trotz, essen die Leute einfach komplett ohne Besteck. Nagut, wenn man mal eine Hähnchenkeule oder ein Stück Pizza in die Hand nimmt, ist das ja in Ordnung. Und selbst wenn jemand sagt, er möchte das, was er isst, gerne „spüren“, dann ist das zwar schräg, aber er hat meinen Segen. Aber Reis-Mansche mit Gemüse und am besten noch Curry oder andere hartnäckige farbenfrohe Soßen? Nein, also dafür sind die Finger echt nicht gemacht. Das beschriebene Gericht wird im Übrigen genauso gerne zum Frühstück wie zum Abendbrot gegessen. Das erste, was ich in Shah Alam gemacht habe, war erst einmal ein ordentlicher Einkauf fürs Frühstück: Brot (das Brotähnlichste ist hier noch ein Baguette), Käse & Wurst, Schwartau Marmelade, Nutella, Joghurt, Müsli, Kellogg’s, Milch, O-Saft und Kaffee. Geht doch!
Ansonsten gefällt mir das Essen ganz gut, auch wenn ich mein Thai-Leibgericht, Ente-kross mit Reis und Gemüse in Kokos-Erdnusssoße, hier in Malaysia genau so vergebens suche wie in Thailand. Wahrscheinlich so, wie wenn man in Ankara nach einem Döner fragt. Oder in Berlin nach einem Berliner.

Menschen und Gewohnheiten

Samstag, 19.10.2013

180°. So sehr ich zu einem anderen Zeitpunkt meiner Reise schon gewillt war, alle Leute über einen Kamm zu scheren, so rasant habe ich meine Meinung schon wieder geändert. Seit ich in Malaysia bin, habe ich fast ausschließlich hilfsbereite, sympathische, freundliche Menschen kennen gelernt.  

Malaysia ist ein muslimisches Land. Es gibt zwar indische und chinesische Minderheiten, aber nahezu alle Malaien sind Muslime. Das spiegelt sich natürlich auch im Stadtbild wider. Die meisten Frauen sind dementsprechend verschleiert. Nun mag der ein oder andere besorgt sein, dass mir das vielleicht gar nicht so passen würde, aber diejenigen kann ich beruhigen. Burkas sieht man in europäischen Hauptstädten wahrscheinlich schon häufiger als hier. Stattdessen hüllt man sich hier lieber in farbenfrohe Tücher und Gewänder, was gar nicht so verkehrt aussieht. Und da sind natürlich noch die Moscheen. In Shah Alam und in Sichtweite von meinem Balkon steht eine der weltweit größten davon. Drei Jungs aus dem Jemen, die ich letztens bei „Mama“ kennen gelernt habe, haben mich mal dahin mitgenommen und mir alles gezeigt und erklärt. Dann hat man mich in einen kleinen Raum gebracht, wo ich zu irgendeinem Gebet meine Hand auf den Koran legen musste, anschließend was unterschrieben habe und dann nur noch „Rob bin Mohammed“ genannt wurde. Keine Ahnung. Tüllich nicht! Im Gegenteil. Ein gegenseitig interessierter Austausch über Religion und Brauch. Bin ich natürlich auch schon wieder Experte drin. Im Anschluss gab es noch lecker was zum Essen „aufs Haus“. Vielleicht auch eine Idee, die Leute in die Kirche zu locken.

ACHTUNG: Aufgrund von technischen Problemen, gibt es die Fotos derzeit nur auf Facebook.

Mein Block

Samstag, 12.10.2013

Mein Zimmer ist Teil einer 4-Zimmer-Wohnung mit drei Schlafräumen und einem großen Wohnzimmer. Zu meiner Freude war eines der beiden anderen bei meiner Ankunft von zwei direkt sympathischen Belgiern bewohnt. Er, Arnaud (nachfolgend Arnold), studiert mit mir und hat schon ein paar Wochen früher angefangen. Seine Freundin Daphné (nachfolgend Stefanie) kam erst kürzlich nachgereist und macht ein Praktikum bei der belgischen Botschaft. Da sie also jeden Tag pendeln müsste, haben beide entschlossen nach KL zu ziehen. Gemeinsam mit Patrick, einem Deutschen, der auch mit mir studiert, aber etwas länger bleibt. Das war also eine kurze Freude. Nun bin ich alleine hier. Auch schon wieder geil. Aber etwas ruhig. Da ich aber eh viel reisen will und nur am Wochenende nach KL „muss“, ist die Entfernung gar nicht so schlimm und die gesparte Kohle werde ich auch schon irgendwie los. Das Haus ist gar nicht so schlecht. Im siebenten Stock gibt’s eine mehr als passable Poolanlage, Grill- und Basketballplätze, weitestgehend ungenutzt.  Der „nächste“ (=letzte) Woche eröffnende Fitnessraum hat sich eher zu einer Dauerbaustelle entwickelt. Das Haus ist hauptsächlich von Studenten bewohnt, aber auch einige Familien und andere externe Leute sind hier untergebracht. Wenn es mir in meiner Bude zu langweilig wird oder spätestens, wenn ich Hunger bekomme, gehe ich gerne runter zu „Mama“, wie hier die indischen Restaurants / Food Corners genannt werden. Da schmeckt‘s wie bei Mama, nur anders. Auf jeden Fall lernt man neben leckeren Speisen auch jede Menge Leute kennen, aus Malaysia, Indien, Japan, Kasachstan, dem Jemen, Kosovo, der Türkei, China und anderen Ländern. Alle super freundlich, kommen auf einen zu und plaudern ein bisschen.

Am zweiten Tag in meiner Wohnung, als ich gerade am Frühstücken war, kam plötzlich so ein merkwürdiges knackendes und knirschendes Geräusch aus meinem Zimmer. Als ich gucken gegangen bin, was los ist, haben sich gerade die 75 x 75cm Fliesen gegeneinander geschoben und einmal längs durchs Zimmer 5-10cm aufgestellt. Man ey! Da fällt mir echt nichts mehr zu ein. Die Tür habe ich dann irgendwann zumindest soweit aufbekommen, dass ich mich wieder ins Zimmer quetschen konnte. Nicht auszumalen, was gewesen wäre, wenn ich 5 Minuten länger geschlafen hätte. Gut, dass ich schon um halb 10 Appetit hatte. Die Tür kann man nicht einmal aus den Angeln heben. Gefangen im 22. Stock. Dornröschen, lass dein Haar herunter; Kinderspiel dagegen. Da hört auch Pippi Langstrumpf mich nicht schluchzen. Nach Mitteilung an den Wohnhaus-Ansprechpartner wurde ein Sichtungstermin einmal verschoben, ein zweites Mal und schließlich habe ich von denen auch nichts mehr gehört. Problem ausgesessen. Aber vier Monatsmieten im Voraus kassieren, wenn klar ist, dass ich nur zwei bleibe. Mieten auf Malaiisch.

ERGÄNZUNG: Soeben lässt sich meine Badezimmertür nicht mehr öffnen. Und das nach einer großen Tasse Kaffee. Die werden’s noch ganz schwer haben!

Hohe Häuser, tiefe Höhlen: Kuala Lumpur und adieu Basti

Samstag, 05.10.2013

Kuala Lumpur kann man wohl gut und gerne als Mittelding zwischen Bangkok und Singapur bezeichnen. Lauter als Singapur, ruhiger als Bangkok. Infrastrukturell besser als Bangkok und noch nicht so weit wie Singapur. Nicht so turbulent wie Bangkok, aber auch nicht so geordnet wie Singapur. Günstiger als Singapur, etwas teurer als Bangkok. Insgesamt gefällt „KL“ sehr gut. Eine lebhafte, vielseitige Stadt. „Bunt“ trifft es vielleicht ganz gut. Tja, nur sollte ich nicht dort wohnen.

Nach der Ankunft am Flughafen haben sich unsere Wege erst einmal getrennt. Für mich hatte man einen Abholservice von der Uni aus organisiert, der sich mit vier Offiziellen und zwei Fahrzeugen regelrecht als Abholkomitee herausstellte. Von da aus ging es nach Shah Alam, die westlich an KL angrenzende Stadt. Dort befindet sich in – auf den ersten Blick – unmittelbarer Nähe zum MSU-Campus (Management & Science University) mein Wohnheim. Warum sage ich das so? Als ich am nächsten Morgen mal zum Campus rüber spazieren wollte, musste ich feststellen, dass die einzige Möglichkeit dazu darin besteht, eine zusammen zehnspurige Schnellstraße zu überqueren. Ohne Ampeln. Unfassbar. Da hat nicht nur einer nicht mitgedacht, da war ein ganzes Expertenteam Gedankenloser am Werk. Egal, Mut zur Lücke. Außerdem hatte ich ja eh nicht vor, diesen Weg jeden Tag auf mich zu nehmen. Nicht, weil ich mein Studium hier nicht ernst nehme, sondern weil meine Kurse in Räumlichkeiten des Kuala Lumpur Hauptbahnhofs stattfinden.

Da aber noch bis zum Uni-Start ein paar Tage Zeit blieben, stand noch ein wenig Sightseeing auf dem Programm. Neben den obligatorischen Chinatown und Little-India bildet hier vor allem das Viertel um die berühmten und monströsen Petronas-Towers das Stadtzentrum. Gerade bei Nacht sehr beeindruckend. Ein paar Tage später habe ich mit Patrick, einem Deutschen, die Batu Caves am nordöstlichen Stadtrand besucht. Neben der großen Höhle, durch die zu einem bestimmten Fest im Jahr eine Million Pilger geschleust werden, gibt es noch die "Dark Cave". Hier werden Touren angeboten, die mehrere hundert Meter in den Berg führen, wenn auch auf einem Betonpfad. Neben hunderttausenden Fledermäusen und Flughunden, beherbergt die Höhle Schlangen, Kakerlaken, Ratten und einige nur dort existierende Spinnen und Krabbeltierarten. Auf jeden Fall genügend Gründe, das nächste Mal mit festen Schuhen dort hinzugehen.

KL sollte auch die letzte Station für Basti sein. Basti, auf jeden Fall einer der wichtigsten Akteure in unserem Zweierteam. Der Mann mit den Reisführern, den überlebenswichtigen Apps und vor allem auch der Kohle. Ich hatte ja wenige Tage vor meiner Abreise feststellen müssen, dass die PIN meiner VISAplus-Karte nicht mehr funktioniert. Keine Ahnung, wem ich das wieder in die Schuhe schieben muss. Naja, die letzte Knete war dann auch schneller weg als gedacht. Da muss man sich hier gar keine Illusionen machen, dass man weniger ausgibt, nur weil die Preise geringer sind. Je geringer der Preis, desto höher die Nachfrage. Basics. Klar, soll ja auch nicht schlecht werden, aber das hat mich halt in eine gewisse Abhängigkeit gebracht, sodass ich schnell bei ein paar Gläubigern auf der Liste stand, einschließlich auf der meines Professors. Mittlerweile habe ich ein Konto bei einer ansässigen Bank eröffnet, was vielleicht schneller gegangen wäre, wenn ich meine Adresse gewusst hätte. Nichts. Weder Straße noch Hausnummer. Shah Alam. „Da drüben halt, das große Haus. 22ster Stock. Erste Tür rechts.“ …Ich weiß es übrigens immer noch nicht. Basti, gute Heimreise, war ne geile Zeit!

Singapur

Montag, 30.09.2013

Nach der knappen Woche auf Bali hieß unser nächster Halt Singapur. Schon bei Ankunft war uns klar, die Stadt hat’s in sich. Aufgeräumt, sauber, modern bis futuristisch. Am Flughafen ging es mit der ‚Betonschwebebahn‘ zwei Terminals weiter, direkt zum ersten Highlight: dem öffentlichen Nahverkehr. Nach drei Millionen stinkender und allesamt auf Maximallautstärke getunter Mopeds und Tuk-Tuks, die die Straßen morgens wie abends blockieren, ging endlich was auf Schienen. Ok, auch Bangkok hat ja eine Stadtbahn, die nächste Station lag da für uns nur einfach schlecht. Dennoch, von Tuk-Tuks keine Spur. Allein schon der Unterschied des Geräuschpegels war einfach erholsam. Von der nachgesagten Überregulation und Pingeligkeit war fast keine Spur. Zwar wird an diversen Stellen klar gemacht, dass bei manchen Gesetzes- und Ordnungsverstößen im wahrsten Sinne keine Gefangenen gemacht werden, aber insgesamt hat man sich wohl in den letzten Jahren in der Hinsicht etwas entspannt.

Das Stadtbild selbst ist geprägt von modernen und in aufwendiger Architektur erbauten Hochhäusern. Insbesondere im Stadtteil um den Marina Bay reiht sich ein Bank-HQ neben das andere, wobei jedes neue Gebäude das alte noch einmal ein wenig überragen muss. Anzumerken ist, dass die Höhe aber immer noch nicht ausreicht, um ausreichend Schatten zu spenden. Die Sonne brennt gnadenlos. Trotz der nicht enden wollenden Skyline, findet man zwischen ihr immer wieder Stellen, die sich dem Bauboom von Glas-Beton-Marmor-Riesen entziehen können. Dazu gehören bspw. Chinatown, das Viertel am Clarke Quay sowie verschiedene Parks.

Am Abend sind wir dann zu dem spektakulären Hotel Marina Bay Sands gefahren, um von dessen Dach den Blick auf die Stadt zu genießen. Dabei ist es gut zu wissen, dass man sich die 20 Dollar für die Aussichtsplattform sparen kann, wenn man einen anderen Zugang nimmt, und zwar den zur Ku De Ta Bar. Denn da hat man für den Preis fast ein Getränk mit drin. Egal, das haben wir uns gegönnt und die Aussicht war genial. Leider ist unser Plan, dort oben Gäste des Hotels kennen zu lernen, die uns irgendwie in den Bereich des Dachpools hätten bringen können, nicht aufgegangen. Stattdessen wollte uns irgendein Amerikaner Mitte 50 mit seinem kleinen vietnamesischen Freund verkuppeln. Trotz mehrmaliger Bestätigung, wir hätten bereits bezaubernde Freundinnen, hat er nicht locker gelassen. Naja, die Aktion hat ihn eine knappe Stunde und zwei Drinks zum Preis von 60 Dollar gekostet. Merci!

 

Am nächsten Tag haben wir unsere Stadttour fortgesetzt und sind zur südlich vorgelagerten Insel Sentosa gefahren, die mehr oder weniger ein einziger Freizeitpark ist. Neben Hotels und den verschiedensten Attraktionen, hält sie aber auch einen so nicht erwarteten feinen Sandstrand bereit. Damit hat diese Stadt alles, was sie braucht. Abends ging dann unser Flieger nach Kuala Lumpur.

Mein Urteil: Singapur war für uns ne runde Sache! Der Stadtstaat macht Einiges richtig und ist auf einem guten Weg, im Vergleich zum Rest von Asien, der sich meiner Meinung nach denitiv auf dem absteigenden Ast befindet. Spaß!

Und dann kam Bali

Freitag, 27.09.2013

Nach den 1 ½ Wochen Powertrip mit tausenden von Kilometern per Flugzeug, Zug, Bus und zu Fuß, sollte Bali so etwas wie der Urlaub vom Urlaub werden. Hübsches Hotel, netter Pool, 5 min vom Strand, zentral in Kuta, und trotzdem ruhig gelegen. VORHER gebucht. Nach Ankunft haben wir nur unsere Sachen ins Zimmer geworfen und sind zum Strand gelaufen, den wir uns ehrlich gesagt etwas anders vorgestellt hatten. Statt türkisem Wasser und weißem Strand, donnerte da nur so die Brandung rein. Auch geil. Da habe ich mir natürlich erstmal so ein Brettchen ausgeliehen, um den ganzen braungebrannten, zotteligen Cappy-Trägern mal zu zeigen, wie es geht. Naja, war wohl irgendwas mit dem Teil nicht in Ordnung. Egal. Ansonsten ist Kuta ein sehr lebhafter Ort, der sowohl Surfer aus der ganzen Welt als auch den klassischen Malle-Urlauber anzuziehen scheint.

Den zweiten Tag haben wir auch gemütlich angehen lassen. Abends sind wir hinten auf den Mopeds zweier Einheimischen die Strandpromenade etwas Richtung Norden gefahren, wo einige nette Bars direkt am Strand postiert sind. Da kann man entspannt in Sitzsäcken bei einem Bier die Flut beobachten. Ja, es war Flut! Natürlich haben wir uns in die erste Reihe gesetzt und über die Warnhinweise des Kellners müde gelächelt. Keine 10 Minuten später kommt – kein Mensch weiß, woher – eine Welle auf uns zu gerast, die Basti zum Rennen und mich zum Hoffen veranlasst hat. Ersteres wäre die bessere Entscheidung gewesen. Als ich das erkannte, hatte die Welle, nein, der Tsunami schon meinen Sitzsack gepackt und mich samt diesen verschluckt. Wahnsinn. Schlamm, Wasser, Salz. Das erste Mal feste Schuhe an und ein sauberes Hemd. Ende Gelände. Taxi – Hotel – umziehen – Ballermann.

Am dritten Tag haben wir uns ein Moped ausgeliehen, um etwas ins Landesinnere zu fahren. Denn Bali hat weitaus mehr zu bieten als Strand, Wellen, Shops und Party. Da haben wir – natürlich – einen super bedeutenden Tempel besucht und sind ein kleines Stück eines netten hügeligen Trekkingpfades bis hin zu einigen Reisterrassen gewandert. Doch um nicht sagen zu müssen, wir hätten wieder den ganzen Tag auf dem Weg zum Ausflugsziel verbracht, muss auch die Fahrt dorthin als Event betrachtet werden. Zunächst war es ja für mich das erste Mal Linksverkehr, und dann auch noch auf völlig überfüllten südostasiatischen Straßen. Sehr spannend, aber anstrengend. Das ging aber alles glatt, was sich mit dem sicheren, zügigen und übersichtlichen Fahrstil deckt, den man mir nachsagt. Das hilft aber alles nichts, wenn man den Weg nicht kennt und die Balinesen nicht viel von Orts- und Richtungsschildern halten. Wenn man dann an 30 Kreuzungen jeweils drei Alternativen hat, ist die Wahrscheinlichkeit, auf direktem Weg anzukommen, schwindend gering. So hat uns am Abend der Hintern geschmerzt, lustig war es aber allemal.

Erwähnenswert ist noch der fünfte Tag. Kinder, wie die Zeit vergeht. Da hat mich Basti „Ich muss alles unternehmen“ tatsächlich noch zu einem weiteren Ausflug überredet, der auch noch um 2 Uhr morgens, also nachts startete. Der wird’s noch ganz schwer haben!
Ein Fahrer, den wir für den Tag verpflichtet haben, hat uns zu 4 Uhr (nachts) zum Fuß des im Nordosten der Insel liegenden ~1700m hohen Vulkan gebracht. Diesen haben wir dann innerhalb der nächsten eineinhalb Stunden in Begleitung eines Guides und immer noch in völliger Dunkelheit erklommen, um oben in einer ziemlich kühlen Brise auf den Sonnenaufgang zu warten. Leider war die Sicht die meiste Zeit durch Wolken beeinträchtigt, so dass uns ein Überblick über andere Teile der Insel verwehrt blieb. Wenn sie rauskam, war‘s aber richtig geil. Auch, weil der Vulkan noch aktiv ist und an einigen Stellen heißen Dampf ausspuckt.


Im Anschluss sind wir noch zur – wer kann’s erraten -  bedeutendsten Tempelanlage Balis gefahren, die unterhalb des höchsten Bergs (>3000m) von Bali liegt. Wieder ein Beispiel allererster Güte von Touristenabzocke. Das Ticket hatten wir bereits unterhalb des Ortes/Tempels an der Straße erstanden und da natürlich auch gleich nachgehakt, was noch auf uns zukäme: 5.000 Rupien (30 Cent) für einen Rock bzw. so ein Tuch. Kurze Hose geht nicht. Roger. Am weiter oben gelegenen Parkplatz, der natürlich wieder eingekesselt von Buden war, hat uns gleich die erste Buden-Frau so ein Tuch angeboten, nein angezogen! Zusätzlich noch ein hässliches Kopftuch, angeblich Pflicht. Basti war schon in Schale, Foto strengstens verboten! Zusammen für 60.000 Rupien. LOL ey! Gut, dass wir die Info von unten hatten, mit der wir die Frau konfrontieren konnten. Aber selbst, wenn sie schließlich bis auf die 5.000 eingelenkt hatte, hat sie von uns nix mehr bekommen. Verbrecherin. An der unweit gelegenen Touristen-Info gab es dann die Gewänder, zunächst auch erst einmal für 10.000, dann aber schnell für 5.000. Dafür wollte man uns gleich noch einen Guide aufschwatzen. Ohne schien es schon wieder gar nicht zu gehen. Da wir uns insgesamt schon deutlich weniger verarschen lassen als der Durchschnittstourist, haben wir das Angebot abgelehnt, um es selbst zu versuchen. Ein paar hundert Meter weiter am Eingang der Tempelanlage hat ein zumindest vom Auftreten halbwegs Offizieller unsere Tickets entwertet, uns aber gleichzeitig abermals versichert, wir kämen ohne einheimischen Guide nicht in die Tempelanlage, sondern könnten lediglich von außen über die Mauer gucken. Wir haben wieder, nicht mehr ganz so selbstsicher, abgelehnt. Vor dem Eingang zum ersten Innenhof hat uns dann einer von den Guides ein Schiebetor vor der Nase zugemacht. Ohne Guide kein Einlass. Nach zehnminütiger Diskussion und halbem Weg die Treppe wieder runter, haben wir bei einem „akzeptablen“ Angebot eingeschlagen. Am Ende kam raus, dass wir eine Treppe weiter ohne Probleme reingekommen wären. Lange Geschichte, kurzes Ende. Idioten. Die und eigentlich auch wir. Temple of Commerce. Applaus Klaus. Keiner so gläubig, wie er tut. Die werden’s noch ganz schwer haben!

 

Die Zeit auf Bali ist viel zu schnell vergangen. Leider haben die Zeit und das Budget nicht mehr für einen Tauchausflug gereicht. Das werde ich an anderer Stelle nachholen. Den letzten Tag haben wir dann nochmal am Strand verbracht mit Chillen und Surfen. Geht doch!

Nicht ganz alles roger in Kambodscha!

Freitag, 20.09.2013

Von Chiang Mai ging es mit dem Flieger zurück nach Bangkok, Ankunft 23:30 Uhr. Die Abfahrt am nächsten Morgen nach Kambodscha war um 5:55 Uhr mit dem Zug. Die Nacht haben wir uns also am Flughafen und Bahnhof um die Ohren geschlagen. Für Kambodscha, wo wir natürlich als einziges Ziel die riesigen Tempelanlagen nördlich von Siem Reap angepeilt haben, namentlich Angkor Wat, Angkor Thom usw., hatten wir gerade einmal drei Tage Zeit. Abzüglich der An- und Abreise mit der obligatorischen Bahnverspätung, hatten wir also nur 1 ½ Tage vor Ort. Auch schon wieder Stress. Da wir allerdings schon ziemlich Tempel gesättigt waren, sollte das am Ende schon reichen. Siem Reap hat sich mehr oder weniger nach stundenlanger Fahrt durch Einöde, Reisfelder und flaches Land als kleines Mekka aufgetan. Plötzlich war richtig was los, ausgelassene Stimmung und Urlaub. Für außergewöhnliches Essen und günstiges Bier hat man gesorgt. Von Rind, Hähnchen, Scampi über Strauß, Schlange, Frosch bis hin zu Känguru und Krokodil kann man sich hier alles auf dem eigenen Tischgrill garen.

Der Grenzübergang zu Kambodscha war ein Highlight für sich. Alle Touris müssen zu Fuß rüber. Es staut sich, keiner weiß so richtig, wo er hin muss. Männer, die statt Ochsen sich selbst vor ihren völlig überladenen Holzkarren spannen und das Ding mit Mühe und Not über die Grenze ziehen. Auch schon wieder geil. Leute, die einem irgendwelche gefälschten Visa verkaufen wollen und andere Dinge. Offizielle lassen sich wieder nur schwer von Gaunern unterscheiden. Super Tipp auch, im Voraus ein E-Visum zu beantragen und auszudrucken; hätte mich vor Ort eh nur 8 Dollar gespart.

Auf der Weiterfahrt von der Grenze nach Siem Reap hat man uns wieder klassisch verarscht: zunächst, indem man uns in einem künstlich geschaffenen Zeitdruck einen saumäßigen Wechselkurs gegeben hat, anschließend auf der Fahrt wieder bei befreundeten Läden völlig überflüssige Pausen eingelegt hat, um uns am Ende auch noch 5km vor der Stadt bei bereitstehenden Tuk-Tuks abzusetzen. Vergiss es ey! Da sind wir lieber losgelaufen und haben auf dem Weg ein Tuk-Tuk angehalten. Die werden’s noch ganz schwer haben!

Die Tempelanlagen sind so weitläufig, dass wir für den Tag ein Tuk-Tuk verpflichtet haben. Nämlich den Fahrer, den wir schon am Vorabend kennen gelernt hatten. Einer der überschaubaren sympathischen Leute, der uns weiterhin ans Gute im Menschen hoffen lässt. Die Tempel waren gigantisch. Meisterleistung. Da lasse ich einfach mal die Bilder sprechen, auch weil ich dazu nicht so viele Infos parat habe. Komischerweise wieder einmal Schauplatz eines Hollywood-Streifens; Tomb Raider ist gemeint.

 

Von Elefanten und Schmetterlingen - Thailands Norden

Dienstag, 17.09.2013

Nach den Wasserfällen mussten wir relativ zügig über Kanchanaburi zur ehemaligen Königsstadt Ayutthaya fahren, um dort den Nachtzug nach Chiang Mai im Norden Thailands zu gekommen. Inklusive der obligatorischen 10-20% Verspätungen der Bahnen, waren wir ca. 16 Stunden später auch schon da. Die werden’s noch ganz schwer haben! Da es aber aufgrund von Gleisarbeiten die letzte Bahn auf dieser Strecke für die nächsten zwei Monate sein sollte, waren wir froh, dass sie überhaupt fuhr. Unser ziemlich straffes Programm hat uns leider kaum erlaubt, andere Backpackers kennen zu lernen. Nach kurzer Suche haben wir dann einfach mal ein 20-Bettzimmer gebucht, in dem wir – ist ja klar – am Ende dann auch wieder alleine genächtigt haben. Auch schon wieder geil.

Da wir das Gefühl hatten, doch immer viel Zeit durch die Selbstorganisation der Trips zu verlieren, haben wir in Chiang Mai einfach mal auf eines der unzähligen Pauschalangebote zurückgegriffen: eine 1-Tagestour mit Orchideen- und Schmetterlingsfarm, Elefantenshow und –ritt, Ochsenkarrenfahrt, Floßfahrt und Besuch eines Herstellers von Papier aus Elefantenkacke. Die Hälfte davon hätte man aber getrost auslassen können. Die Elefanten waren super. Tolle Tiere. Die Show war gleichermaßen beeindruckend wie fragwürdig. Elefanten, die den Gangnam Style tanzen, Bilder malen und im Handstand laufen! Wahnsinn. Wie das denen beigebracht wird, weiß kein Mensch. Operantes Konditionieren, wobei „positive Verstärkung“ vermutlich den geringeren Teil ausmacht. Genügend spitze Gegenstände waren zumindest zu finden. Ein Dilemma der Elefanten, dass sie immer so aussehen, als würden sie lachen!

       

Ein kleines persönliches Highlight war noch ein Schmetterling, der nach dem Elefantenritt einfach so auf meiner Hand gelandet ist und nicht mehr weg wollte und ganz nebenbei jeden anderen Schmetterling von der „Farm“ weit in den Schatten stellte. Jaja, süß, Ich weiß.

Wie jede Stadt, hat auch Chiang Mai einen Nachtmarkt. Auch hier reiht sich Stand an Stand, nach fünfen startet die Produktpalette von vorne. Von Diversifikation keine Spur. Manchmal denkt man, jeder Einwohner hat einen Stand. Wenn nicht mehr. Vor Fälschungen schreckt natürlich niemand zurück. Und sie machen es auch gut: nichts da mit ‚Adidos‘, und ‚RaynBan‘! Könnte auch vom Laster gefallen sein. Wird ja eh alles da produziert. Einzig die Seide aus Nordthailand soll aber sehr gute Qualität haben.

Westthailand

Sonntag, 15.09.2013

Am dritten Tag sind wir früh aufgebrochen, um die geschichtsträchtige ‚Birma-Bahn‘ zu nehmen, die die Japaner im zweiten Weltkrieg durch Kriegsgefangene bauen ließen. Der Film „Die Brücke am Kwai“ erzählt die Story dazu auf Leinwand. Die Endstation der Strecke liegt an einem Nationalpark zu Myanmar, der am Rand einen sehr schönen Wasserfall bereithält, in dem wir kurz baden waren, bevor wir schon wieder die letzte Bahn – täglich fahren nur zwei – zurücknehmen mussten. Wir sind dann allerdings nur bis Kanchanaburi zurück gefahren, einem netten Ort, der ca. auf der Höhe der bedeutenden Brücke liegt und zumindest bei uns in Hostelnähe echtes Urlaubsfeeling aufkommen ließ. Für mich ist das allerdings auch der Ort, an dem ich mich das einzige Mal wirklich mit dem Essen vertan habe. Schwindel, Schweiß und Schwellungen. Schärfer geht nicht! Die feurige Brühe findet immer wieder eine neue Stelle im Rachen. Die Stimme versagt mir. Es tropft von Nase und Kinn. Schweiß? Tränen? Umsetzen zum Ventilator, mehr Brot, nichts hilft wirklich. Nach dem halben Topf ist Ende. Das mache ich höchstens noch zwei Mal!

Am nächsten Tag ging es mit einem lokalen Bus zu den Erawan-Wasserfällen in der Nähe, die sich über 9 Ebenen erstrecken und trotz der vielen Touristen Dschungel-Atmosphäre bieten. Affen inklusive.

 

Bangkok - Dick und Doof

Freitag, 13.09.2013

An einem Abend wollten wir dann Bangkok von oben sehen und haben dafür die wohl geilste Location ausgesucht: die Sky Bar „The Dome“, eine open-air Bar auf einem der höchsten Gebäude der Stadt mit Live-Jazzband und pipapo, bekannt aus dem Film Hangover 2. Schicki-Micki. Hier haben wir bei unserem (bis dahin!) teuersten aber auch leckersten Mojito den unfassbaren Ausblick und angenehmen Wind genossen. Ein einziger Rausch von Freiheit und Glücksgefühlen. Dick.

30 min später fanden wir uns in einer zwielichtigen Bar wieder, vor einer 100€ Rechnung, umringt und bedroht von mehreren Leuten. „Mafia“ und andere nichts Gutes verheißende Worte fallen. Wahnsinn. Hose voll. Wie es dazu kam: satt vom Ausblick und auf der Flucht vor dem nächsten Regen, haben wir uns gedacht, noch den Programmpunkt abzuhaken, eine dieser berüchtigten Bars zu besuchen. Nach einem budgetsprengendem Angebot, haben wir uns von einem Deal reinlocken lassen, der uns zwei günstige Bier und einen „free look“ versprach. Wer mal in Prag war, weiß, dass man auf diese Weise einen äußerst amüsanten Abend verbringen kann. Aber nunmal nicht in Bangkok. Nachdem wir zu sehr unansehnlichen Dingen mehr oder weniger die Biere runter geschlungen haben und nur noch raus wollten, kam es zu der oben beschriebenen Situation. Plötzlich wird uns eine Rechnung vorgelegt, die neben unserem Bier noch weitere Drinks und Shows auflistet, die zusammen 4800 Baht (über 100€) kosten sollen. Nach diversen Drohungen und Verhandlungen, hat man uns für 2000 Baht gehen lassen. Aufgebracht und vollgepumpt mit Adrenalin sind wir also runter auf die Straße gerannt. Was tun? Polizei? Steckt vielleicht auch mit drin. Bzw. wer sagt, dass die Rechnung nicht in Ordnung geht? Der Typ, der uns das Angebot gemacht hat, ist natürlich auch über alle Berge. Wir treffen eine andere Gruppe Deutscher, die fünf Minuten vorher das gleiche erlebt hat. Ein paar Meter weiter stoppt uns eine alte kleine Frau. Sie sei die Managerin der Bar, entschuldigt sich und drückt uns 1500 Baht in Cash in die Hand. Was ist hier los?! Ich zögere, die Scheine anzunehmen. Markiert? Drogen dran? Was will man uns noch anhängen? Frau überfallen? Basti greift zu und wir laufen weg. Wir rennen über die Straße und springen ins erste Taxi. „Just straight“, da liegt unser Hostel. Nichts passiert, der fährt nicht. Grinst stattdessen in den Rückspiegel, scheint auf irgendetwas zu warten. Auf Gangster? Bangkok Dangerous! Was würde Nicolas Cage tun? Wir springen wieder raus und rennen weiter, immer wieder mit dem Blick zurück, ob jemand folgt. Erst die Leute vom Hostel können uns etwas beruhigen. Im Laufe des restlichen Abends kriegen wir mit, dass sich fast jeder Dritte schon hat abziehen lassen. Krass. Warum haben wir davon nichts gehört oder gelesen? Sowas steht natürlich auch wieder nicht im Reiseführer! Nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Trotzdem, aua aua, so blöd! Aber was hätte ich schon zu erzählen, wenn alles glatt liefe?:)

Schade daran ist nur, dass solch eine Aktion zusammen mit der gesamten Verarschung, die ständig an uns verübt wird, zu einem gewissen Beigeschmack führt. Dieser äußert sich wiederum mitunter in Respektlosigkeit, die von uns ausgeht. Man fängt ganz automatisch an, gereizter auf die Leute zu reagieren, sie auf Deutsch abzuwimmeln und keinem mehr zu trauen.

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